Rémy Trevisan
Kartographie des Schauens
26. Sept. – 18. Dez. 2026
Vernissage: Fr, 25. Sept. 2026, 18 Uhr

Die Ausstellung vereint Arbeiten aus unterschiedlichen Schaffensphasen von Rémy Trevisan.
Sie folgt einer kontinuierlichen künstlerischen Forschung, die seit vielen Jahren Mensch, Natur und Wahrnehmung miteinander in Beziehung setzt.
Porträts und Zeichnungen eröffnen unterschiedliche Zugänge zu derselben Fragestellung: Nicht nur, was wir sehen, sondern wie wir schauen.
Die Werke laden dazu ein, den Blick zu verlangsamen und dem zu begegnen, was sich im aufmerksamen Schauen nach und nach zeigt. „Kartographie des Schauens“ versteht Schauen als eine Form der Begegnung mit dem Menschen, der Natur und dem Lebendigen.
EINGANG
Reverenz an den „Sesselmann“

Wichtig bleibt in Rémy Trevisans Schaffen die Setzung von Kontrasten, wie der Wechsel von Schärfe und Unschärfe, Fülle und Leere. In der hier gezeigten Reverenz an den „Sesselmann“ verliert sich das Auge zunächst im Gewirr des Hintergrundes, um sich dann wieder auf die Porträts zu fokussieren.
Beim „Sesselmann“ handelt es sich um den niederländisch-amerikanischen Maler Willem de Kooning, einen der wichtigsten Vertreter des Abstrakten Expressionismus.
(Auszug aus der Einführungsrede von Dr. Antje Lechleiter)
RAUM 1
Die Werke entziehen sich der klassischen Perspektive. Sie entfalten ein raffiniertes optisches Spiel, in dem sich Materialität und Immaterialität unaufhörlich umkehren. Seine Auseinandersetzung mit reinen Formen und Farben reflektiert dabei die grundlegende Frage nach dem Sinn unseres Daseins.

Ob filigrane pflanzliche Strukturen, weite Landschaften oder die Unendlichkeit des Kosmos – diese Kunst fordert den zweiten Blick. Sie lädt dazu ein, den hektischen Rhythmus unserer Zeit zu vergessen und von der bloßen Wahrnehmung zur kontemplativen Betrachtung überzugehen.
„Wo das Ich in seinem Zentrum zur Transzendenz gelangt, öffnet sich die Unendlichkeit.“
Dr. Joachim Penzel
RAUM 2
„Die Serie ‚Hommage‘, die ich kontinuierlich fortsetze und weiterentwickle, versteht sich als tiefe Verbeugung vor den von mir porträtierten Persönlichkeiten.“

Seit 2023 integriert Rémy Trevisan Porträts wegweisender Denker und Kunstschaffender – darunter Edgar Allan Poe, Hermann Hesse und Alberto Giacometti – in seine vielschichtigen, abstrakten Bildwelten. Entrückt in eine überzeitliche Sphäre, verkörpern diese Figuren weit mehr als bloßen kreativen Genius: „Sie stehen für eine universelle Daseinshaltung, geprägt von Demut, Staunen und tiefem Respekt vor dem Leben“. (zitiert nach Dr. Joachim Penzel)
Aus dem intensiven Studium von Biografien leitet Trevisan charakteristische Ornamente ab, die an die typischen Schriftzeichen eines Cy Twombly erinnern. In dieser Recherchephase agiert er weniger als Künstler denn als Forscher, der dem universellen, schöpferischen Prinzip des Menschen nachspürt.
Jedes Werk birgt eine persönliche Geschichte, die das Leben der Dargestellten eng mit dem des Künstlers verknüpft. So integriert er in der Huldigung an Hermann Hesse eine Buddha-Figur aus seinem privaten Besitz.
(Auszug aus der Einführungsrede von Dr. Antje Lechleiter)
RAUM 3
Serie „Présence“

„Rémy Trevisans Serie „Présence“ ist weit mehr als eine Hommage an einzelne Künstlerpersönlichkeiten – sie ist ein Nachdenken über das schöpferische Prinzip selbst. Die Transparenz, die dem Künstler am Herzen liegt, meint dabei nicht nur eine malerische Qualität, sondern eine Haltung: Nichts steht still, alles trägt das Vorherige in sich und weist zugleich darüber hinaus.
So laden uns diese Bilder dazu ein, nicht nur die porträtierten Künstlerinnen und Künstler neu zu entdecken, sondern auch die eigene Wahrnehmung zu schärfen und in der Begegnung mit dem Werk die unauflösbare Verbindung von Kunst, Leben und Zeit zu spüren.“
Dr. Antje Lechleiter, Kunsthistorikerin (Auszug aus der Einführungsrede, April)
RAUM 4

Zeichnungen 2006 – 2012, Technik: Pinsel, Bleistift, Aquarelle auf Bütten Papier, je 24 x 32 cm
Zyklus „Kartografie des Schauens“ (Tagebuch) & Serie „Spuren“
Bei Rémy Trevisans Zeichnungen handelt es sich um visuelle Protokolle, die täglich im Anschluss an buddhistische Meditationsübungen entstehen. Diese Arbeiten entsprechen inneren Bildern, die ohne äußeren Anlass und ohne persönliches Ausdrucksziel geschaut werden. Zwar folgt das Zeichnen einer bildnerischen Logik, doch die Motive werden vom Künstler weder beeinflusst, hinterfragt noch manipuliert.
Der als Buddhist lebende und praktizierende Künstler sieht es nicht als seine Aufgabe, die im Kontakt mit der „geistigen Welt“ geschauten Bilder in eine konventionelle Lesbarkeit zu übersetzen. Dieser Ansatz stellt den rationalistischen Bildbegriff, nach dem der Künstler der absolute Herr über sein Werk ist, radikal infrage.
In der Serie „Spuren“ (2026) verbindet sich dieser meditative Ansatz mit den Ideen von Henri Michaux. Wo Michaux die automatischen Impulse des Geistes in rhythmischen Zeichen festhielt, zeichnet Trevisan die Stille und das langsame Schauen. Seine Bilder sind die sichtbaren Spuren einer tiefen Konzentration – sie zeigen das reine Beobachten, ganz ohne Absicht.
(Auszug aus dem Text von Dr. Joachim Penzel)
„Sri Aurobindo“

Meine Jahre in Südostasien, Afrika und Indien haben mich und mein künstlerisches Schaffen tief geprägt. Vor dem Porträt des indischen Philosophen Sri Aurobindo kehrt Stille ein. Sein Blick richtet sich in das Unsichtbare – er sieht Horizonte, die unseren Augen verborgen bleiben. Seine weißen Gewänder scheinen sich im Licht aufzulösen.
Das Hexagramm an seiner Seite verkörpert seine Philosophie, entworfen von „The Mother“ (Mirra Alfassa): Das herabkommende Dreieck steht für das Göttliche, das aufsteigende Dreieck für das Streben der Materie. Im Schnittpunkt, dem Quadrat, erblüht der Lotus im Wasser der Schöpfung.
Dieses Bild zeigt Indien nicht als geografischen Ort. Es ist eine Einladung, die unerschütterliche Ruhe hinter aller Unruhe zu spüren – und sich auf die eigene innere Suche zu begeben.
Preisliste
Eingang
1. „Sesselmann“ Mischtechnik, Pigment 200 x 160 cm 9500.-
2. „Blossfeld“ (2026) Tusche, Bleistift, Farbstifte 70 x 90 cm 1500.-
Raum 1
3. „Lacis“ Mischtechnik, Pigment 200 x 100 cm 9000.-
4. „Lacis Mischtechnik, Pigment 100 x 100 cm 3200.-
5. „Été“ Mischtechnik, Pigment 200 x 100 cm 9000.-
6. „Jean Genet“ Mischtechnik, Pigment 160 x 120 cm 6500.-
Raum 2
7. „Edgar Allan Poe“ Mischtechnik, Pigment 200 x 130 cm 8500.-
8. „Cy Twombly“ Mischtechnik, Pigment 120x 160 cm 6500.-
9. „Hermann Hesse“ ischtechnik, Pigment 200 x 130 cm 8500.-
10. „A. Giacometti“ Mischtechnik, Pigment 160 x 120 cm 6500.-
Raum 3
11. „Besucher“ Mischtechnik, Pigment 160 x 200 cm 9500.-
12. „nach Brancusi“ Bleistift, Acryl, Farbstift 50 x 70 cm 950.-
13-21 Serie „Hommage an“ Acryl, Bleistift, Pigment je 40 x 50 cm je 650.-
22. „H.Hesse“ Bleistift, Acryl, Farbstift 80 x 100 cm 1500.-
23. „G. Caillebotte“ Bleistift, Acryl, Farbstift 80 x 100 cm 1500.-
24. „Rebecca Horn“ Bleistift, Acryl, Farbstift 50 x 70 cm 950.-
25. „Josef Beuys“ Bleistift, Acryl, Farbstift 50 x 70 cm 950.-
Raum 4
26. „Kartographie des Schauens“ ,Tusche, Bleistift je 50 x 40 cm je 500.-
27. „Fragment“ Mischtechnik, Pigment 60 cm 1100.-
28. „Sri Aurobindo“ Mischtechnik, Pigment, 160 x 200 cm 9500.-
29-31. „Spuren“ Bleistift, Acryl, Farbstift 50 x 70 cm 650.-
32. „Victor Hugo“ Bleistift, Tusche, Farbstift 70 x 90 cm 1400.-
33. „Henri Michaux“ Bleistift, Tusche, Farbstift 70 x 90 cm 1400.-
Die Arbeiten auf Papier werden im Passepartout ohne Rahmen verkauft